Leitbild : Was ist eine Verfassung?
THEMA

Die Monarchie im Umbruch
Was ist eine Verfassung?

Das wichtigste Schlagwort des 19. Jahrhunderts war VERFASSUNG. Was aber erwartete man von ihr?

Die Verfassung bildet die Rechtsgrundlage eines Staates. In ihr werden Rechte und Pflichten der StaatsbürgerInnen verankert, welche die Rechtsstellung der Einzelnen und der Staatsgewalt garantieren. Im 18. Jahrhundert, genauer seit der Französischen Revolution 1789, und ganz im Sinne eines 'aufgeklärten' Individuums verbreitete sich erstmals in Europa die Idee einer Verfassung zur Gewährleistung von Menschenrechten und der Wahrnehmung der Einzelnen als StaatsbürgerInnen. Die Revolutionsparole "Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit" birgt die grundlegenden Gedanken der Aufklärung in sich: Man ging davon aus, dass alle Menschen gleich wären und vernunftgeleitet handeln sollten. Der Wunsch nach einem gesetzlichen Regelwerk wurde von den gebildeten und finanzkräftigen Gesellschaftsschichten artikuliert, weshalb auch von einer 'bürgerlichen Revolution' gesprochen wird. Der Willkür der Obrigkeiten und der absolutistischen Regime sollten in Gesetzen verankerte Menschenrechte entgegengesetzt werden. In Anlehnung an die französische Verfassung von 1791 wurde auch im Habsburgerreich die Forderung nach einer 'Constitution' – die zeitgenössische Bezeichnung für Verfassung – laut, die in den Revolutionen im Jahre 1848 im wörtlichen Sinne erkämpft werden musste.

Anita Winkler

Literatur

Hobsbawn, Eric: Europäische Revolutionen (Kindlers Kulturgeschichte des Abendlandes Bd. 15), Darmstadt 1978, 98f. Rousseau, Jean-Jacques: Gesellschaftsvertrag (Original: Vom Gesellschaftsvertrag oder Grundsätze des Staatsrechts, 1762), Stuttgart 2004. "Verfassung" in: http://lexikon.meyers.de/meyers/Verfassung (August 2008). "Aufklärung" in: http://aeiou.iicm.tugraz.at/aeiou.encyclop.a/a871794.htm (August 2008).

Personen, Orte & Ereignisse

Märzrevolution 1848

Schwerpunkt

Herrschen & Regieren