Leitbild : Septem artes liberales: Was studierte man im Mittelalter?
THEMA

Wissen ist Macht
Septem artes liberales: Was studierte man im Mittelalter?

Wie die Lateinschulen bot die Universität zuerst eine allgemeine Ausbildung. Wer sich spezialisieren wollte, musste lange Studienzeiten einplanen.

Den Anfang des Studiums bildete der Besuch der sogenannten „Artistenfakultät“. Vermittelt wurden dort wie an den Lateinschulen die „septem artes liberales“, Rhetorik, Grammatik und Dialektik sowie Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik.

Die meisten Studenten absolvierten das Artistenstudium, das der heutigen Gymnasialbildung vergleichbar war. Nach zwei bis drei Jahren konnte der erste akademische Grad des Baccalaureus artium erworben werden. Erst nach Abschluss der Artistenfakultät durfte man ein Studium der Rechtswissenschaften, Medizin oder Theologie absolvieren und ein weiteres Bakkalaureat, Lizentiat oder Doktorat erwerben. Diese Studien dauerten weitere fünf bis sieben Jahre. Ein Weiterstudium an der Artistenfakultät führte zum Lizentiat oder Magisterium der freien Künste. Studienzeiten von bis zu 15 Jahren waren damit keine Seltenheit. Die Abschlüsse mussten zudem bezahlt werden: Um 1520 kostete eine einfache Juristenpromotion 50 Gulden, eine feierliche sogar 70 Gulden. Der Großteil der Studenten erwarb keinen akademischen Grad.

Die mittelalterlichen Universitäten waren primär Unterrichts- und keine Forschungsstätten. Im Vordergrund stand die Wissensvermittlung durch die Vorlesung. Der universitäre Lehrstoff umfasste Texte anerkannter Autoritäten, die im Unterricht vorgelesen und kommentiert wurden. In Debatten zu vorgegebenen Themen sollte das Diskussionsvermögen geschult werden. Eine eigene wissenschaftliche Textproduktion war nicht gefragt – weder von Studierenden noch Lehrenden.

Julia Teresa Friehs

Literatur

Gall, Franz: Alma Mater Rudolphina 1365–1965. Die Wiener Universität und ihre Studenten, Wien 1965; Mühlberger, Kurt: Die Universität Wien. Kurze Blicke auf eine lange Geschichte, Wien 2. Auflage 2001; Mühlberger, Kurt/Maisel, Thomas: Rundgang durch die Geschichte der Universität Wien, Wien 2. Auflage 1999; Niederstätter, Alois: Das Jahrhundert der Mitte. An der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit, Wien 2004 (Österreichische Geschichte 1400–1522), 378–380; Niederstätter, Alois: Die Herrschaft Österreich. Fürst und Land im Spätmittelalter, Wien 2001 (Österreichische Geschichte 1278–1411), 362–367; Uiblein, Peter: Die Universität Wien im Mittelalter. Beiträge und Forschungen, Wien 1999 (Schriftenreihe des Universitätsarchivs Universität Wien 11), 30–115; Wolf, Klaus: Hof – Universität – Laien. Literatur- und sprachgeschichtliche Untersuchungen zum deutschen Schrifttum der Wiener Schule des Spätmittelalters, Wiesbaden 2006 (Wissensliteratur im Mittelalter 45), 11–55; http://www.univie.ac.at/archiv/rg/6.htm (12.2009)

Personen, Orte & Ereignisse

Die Universität Wien

Schwerpunkt

Sammeln & Wissen