Leitbild : Maria Theresia, Kaiserin und Innenarchitektin
THEMA

Wie wohnt das Kaiserhaus? Und wie sein Volk?
Maria Theresia, Kaiserin und Innenarchitektin

Maria Theresia hatte eine Vorliebe fürs Bauen und Einrichten – ihr Mann floh allerdings aus den von ihr gestalteten Räumlichkeiten in Schönbrunn nach nur zwei Nächten.

Zusammenfassung: Zwar solle Caroline großzügig sein, doch in Maßen. Sie solle nicht mehr geben, als sie könne. Des Weiteren solle sie von leichtfertigen Käufen wie Nippes, Spitzen und dergleichen absehen. Zwar müsse eine Herrscherin kaufen, um die Handwerker zu unterstützen. Doch solle sie es sich zur Regel machen, dass sie einheimisches Handwerk fördere, und nicht ausländisches. Maßhalten und Bescheidenheit waren der Tenor der Verhaltensmaßregeln, die Maria Theresia an ihre Tochter Erzherzogin Caroline, Königin von Neapel, sandte.

Soyez charitable et généreuse, mais avec ordre. Gardez vous de donnez plus que vous ne pouvez. Abstenez vous des achats frivoles de nippes, habits, dentelles et autre choses. Il faut qu’une souveraine achète des choses parailles pour aider et encourager les ouvriers. Mais prenez pur règle, que cela soit des ouvrages faits dans votre pays, et pas des emplettes étrangères.

Graf Podewils, Gesandter Friedrichs des Großen am Wiener Hof, berichtete über Maria Theresias Vorliebe für das Bauen.

Sie hat Freude am Bauen, ohne etwas davon zu verstehen, wovon das Haus, das sie in Schönbrunn nach ihrem Geschmack hat bauen lassen, Zeugnis ablegt.

So urteilte ein französischer Reisender angesichts der Hofburg 1747/1748. Ein anderer verglich sie 1781 gar mit einer „schönen Caserne“.

Die Hofburg ist sehr geräumig, birgt aber fast nichts gutes in Bezug auf Architektur und Ausstattung.

Seit der Herrschaft Maria Theresias hatte das Familienleben im Hause Habsburg einen besonders hohen Stellenwert. Auch für Veränderungen in der Wohnkultur am Hof waren familiäre Anlässe entscheidend, denn bei Hochzeiten wurden manche Räume neu eingerichtet. Der Wiener Hof stand damals unter dem Eindruck der Pariser Hofkultur, die in Europa führend in Geschmacksfragen war: Das gesamte Leben wurde elegant ausgestattet, die Schlösser mit exquisiten Möbeln, Tapeten, Vorhängen, Porzellan und importierten exotischen Stoffen versehen. In den Augen der österreichischen Monarchin war diese Hofhaltung zu verschwenderisch. Der Wiener Hof, der im Vergleich zum französischen viel weniger Geld zur Verfügung hatte, bildete einen Gegenpol zu Versailles. Die Residenzen fielen bescheidener aus, auch das Interieur der Schlösser war von Sparsamkeit geprägt. Anders als am Hof Ludwigs XV. waren Möbel keine Kunstwerke, sondern Gebrauchsgegenstände. Sie wurden verwendet und dementsprechend abgenutzt, innerhalb der Familie und schließlich an Bedienstete weitergegeben. Nach Krankheiten wurden die Betten sowie die Bettwäsche verschenkt. Wandvertäfelungen wurden wiederverwendet und von Residenz zu Residenz übersiedelt. Daher sind auch nur wenige maria-theresianische Hofmöbel erhalten.

Die Kaiserin beschäftigte sich gerne mit Einrichtungsfragen und Bauangelegenheiten: Sie interessierte sich für alle Details, beauftragte die Ausstattung, überwachte Architekten und Künstler und wollte auch die kleinste Entscheidung in Bezug auf das Mobiliar, wie Neuanschaffungen, Reparaturen oder Überstellungen in andere Residenzen, selbst treffen. Sie mischte sich sogar in die Einrichtungsbelange ihrer Kinder an anderen Höfen ein. Dabei ging es ihr stets um absolute Wirtschaftlichkeit. Bei den Aufträgen stand nicht der Luxus im Vordergrund, vielmehr hatten diese schnell und billig erledigt zu werden. Für jeden Hofauftrag mussten drei Kostenvoranschläge eingeholt werden, der kostengünstigste erhielt schließlich den Zuschlag. Maria Theresia bevorzugte bei der Ausstattung Erzeugnisse aus heimischer Produktion gegenüber teuren Importprodukten aus dem trendangebenden Frankreich. So ist auch das Fehlen französischer Möbelstücke am Wiener Hof zu erklären.

Julia Teresa Friehs

Literatur

Barta-Fliedl, Ilsebill/Parenzan, Peter (Hrsg.): Lust und Last des Erbens. Die Sammlungen der Bundesmobilienverwaltung Wien, Wien 1993 (Museum zum Quadrat 4); Iby, Elfriede/Koller, Alexander: Schönbrunn, Wien 2007; Ottillinger, Eva B./Hanzl, Lieselotte: Kaiserliche Interieurs. Die Wohnkultur des Wiener Hofes im 19. Jahrhundert und die Wiener Kunstgewerbereform, Wien/Köln/Weimar 1997 (Museen des Mobiliendepots 3), 43–52; Schütz, Karl: Kunst und Kultur zur Zeit Maria Theresias, in: Brain Trust Inc. (Hrsg.): Maria Theresia und Schloss Schönbrunn. Familienresidenz und politische Bühne einer außergewöhnlichen Regentin, Katalog zur gleichnamigen Ausstellung der Schloss Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H. in Japan, Wien 2006, 168–172; Witt-Dörring, Christian: Maria Theresia und ihre Beziehung zur Möbelkunst am Wiener Hof, in: Koschatzky, Walter (Hrsg.): Maria Theresia und ihre Zeit. Eine Darstellung der Epoche von 1740–1780 aus Anlass der 200. Wiederkehr des Todestages der Kaiserin, 2. Aufl. Salzburg/Wien 1980, 347–354;

Schwerpunkt

(Re-)Präsentieren