Franz Joseph stand als potenzieller Thronfolger von Geburt an im Mittelpunkt der familiären und öffentlichen Aufmerksamkeit. Der zweitgeborene Maximilian sorgte in der Marine und später als Kaiser von Mexiko für Furore, und der Dritte im Bunde, Carl Ludwig, sicherte sich durch repräsentative Auftritte für das Kaiserhaus seinen Platz in der Öffentlichkeit. Über den Jüngsten der Brüder, Ludwig Viktor, schweigen die Quellen zumeist. Umso mehr bietet dieses Unwissen Platz für Spekulationen und Legenden um seine Person. Ludwig Viktor war nie verheiratet, pflegte jedoch eine mehrjährige Beziehung mit der Tänzerin Claudia Couqui. Seine angeblich homosexuellen Neigungen brachten ihm den Spitznamen "Lutzi Wutzi" ein und die Verwicklung in eine Schlägerei unter Homosexuellen war nur eine von zahlreichen Eskapaden, die die Bevölkerung zu berichten wusste. Ein immer wiederkehrendes Gerücht besagt, der Kaiser habe seinen jüngsten Bruder aus dem Familienkreis und dem öffentlichen Leben verbannen wollen.
Ludwig Viktor war der erste Habsburger, der die Wiener Ringstraße als Wohnadresse wählte: Heinrich von Ferstel, der sich durch den Bau der Votivkirche einen guten Ruf erworben hatte, bekam den Auftrag für das 1869 fertig gestellte Palais Ludwig Viktor, das sich im Stil der italienischen Renaissance zeigt. Die Wohn- und Arbeitsräume des Erzherzogs im Mezzanin sind bis heute gut erhalten, darunter das Turmkabinett mit Holzvertäfelungen und bemalter Stuckdecke. Die repräsentativen Räume befanden sich im ersten Stock. Neben der Galerie, dem Speisesaal und einem Wintergarten zählte auch ein großer Ballsaal zu den Festräumen.
Weil der Erzherzog aber zunehmend Schloss Klessheim in Salzburg als Wohnsitz bevorzugte, ließ er das Palais ab 1910 vom "Militärwissenschaftlichen und Casinoverein" nutzen. Davon zeugt, dass bis heute der "Neustädter Offiziersverein" hier untergebracht ist. Der Festsaal des Palais wird vom Burgtheater als Probebühne und Aufführungsort genutzt, daneben gibt es ein Lokal und einige Räume des Wirtschaftsministeriums.
In Salzburg erfreute sich Ludwig Viktor großer Beliebtheit. Er engagierte sich für die Kunst als Schirmherr des Salzburger Kunstvereins und des Künstlerhauses und bekam von Franz Joseph nach der Gründung des Österreichischen Roten Kreuzes 1896 dessen Aufsicht übertragen. Auf seinen Wunsch hin wurde Ludwig Viktor nach seinem Tod 1919 auf dem Friedhof von Siezenheim, einer Gemeinde Salzburgs, beigesetzt.
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