Bedeutende Persönlichkeiten und Ereignisse der Familiengeschichte, Siege und Errungenschaften wurden bildlich festgehalten. Ahnen- und Stammbaumdarstellungen sowie Familienbildnisse sollten – zusätzlich zu ihrer Herrschaft legitimierenden Funktion – Identität und Herkunftsbewusstsein innerhalb der Dynastie stiften und auf die reiche und lange Geschichte des Hauses verweisen.
Porträts spielten je nach Zielsetzung eine unterschiedliche Rolle: Sie konnten als Stellvertreter eingesetzt werden, etwa bei Huldigungen, bei denen die Person nicht zugegen war, oder als Vorbilder wirken, insbesondere für die Untertanen. Ein Herrscherbild zu beleidigen zählte sogar als Majestätsbeleidigung! Wesentlich war der propagandistische Wert der Darstellungen, sowohl anderen Höfen als auch dem Volk gegenüber. Bei den repräsentativen Porträts wurde großer Wert auf eine detailgenaue, reiche Ausstattung gelegt: Gewänder, Handschuhe, Taschentücher, Herrschaftsinsignien und Haltung – all das sollte Reichtum, Macht und Erlesenheit vermitteln, die psychologische Erfassung der jeweiligen Person blieb sekundär. Ein wesentliches Qualitätskriterium für einen am Hof tätigen Porträtisten war seine Fähigkeit, möglichst schnell zu arbeiten.
Eine besondere Funktion kam Herrscherporträts, insbesondere Kinderporträts, bei anzubahnenden Heiraten zu. Denn der Nachwuchs diente nicht nur der Erhaltung der Dynastie, sondern auch der Politik: Über ihn konnten Verbindungen zu anderen Herrscherhäusern hergestellt und auf diese Weise der Machtbereich ausgedehnt werden. Daher gibt es zahlreiche Kinderporträts berühmter Künstler, wie des Hofporträtisten im Dienste Ferdinands I., Maximilians II. und Rudolfs II. in Prag, Giuseppe Arcimboldo, welcher die Dargestellten in prächtigen Gewändern mit üppiger Ausstattung zeigt. Dieser Absicht entsprangen auch die von Diego Velazquez geschaffenen Porträts der Infantinnen und Infanten der spanischen Linie der Habsburger, die als Geschenke an den Wiener Hof gelangten und heute im Kunsthistorischen Museum in Wien zu sehen sind. Die mitgelieferten Texte und Berichte relativierten dabei oft die Darstellungen.
Zum Zweck der Heiratsanbahnung wurden Bildnisse der künftigen Ehegatten zwischen den Höfen ausgetauscht, die einander vor der Hochzeit meist nur von diesen Porträts kannten. Joseph II. soll sich sogar in jenes seiner ersten Frau, Isabella von Parma, verliebt haben.
Herrscherbilder zu verschenken, war in diplomatischen und Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den Höfen ein übliches Vorgehen. Doch auch besonders geschätzte Künstler oder Gelehrte erhielten solche Gaben.
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