Leitbild : Eine neue Location: Die Redoutensäle
THEMA

„Eine Art von Raserey“
Eine neue Location: Die Redoutensäle

Ein neuer Ort für Festlichkeiten direkt in der Hofburg entsteht mit den Redoutensälen, die seit der Zeit Maria Theresias bis heute als Ballsäle dienen.

Joseph II. nahm nur aus Pflichtbewusstsein an den Festveranstaltungen bei Hof teil, wie Fürst Khevenhüller-Metsch am 8. Januar 1775 berichtete.

Der Kaiser aber erschine anfänglich gar nicht und überhaubt gar selten dabei, um seine Frau Mutter, wie es verlauten wollen, zu überzeugen, dass er an der herausgebrachten Erlaubnus der Mascheren keine Rucksicht auf sich selbsten, sondern nur auf die Ergötzlichkeit des Publique geheget habe.

Die beiden Theater in der Hofburg, in denen in der Barockzeit prächtige Opernfeste abgehalten wurden, standen wegen der nötigen Einsparungsmaßnahmen unter Maria Theresia leer. Eine Societät von Adeligen schlug der Kaiserin vor, diese in Tanzsäle für Ballfeste umzubauen – die damals immer beliebter werdenden „Redouten“ mit allgemeinem Zugang. Maria Theresia ließ sich überzeugen, da sie selbst gern an Bällen teilnahm und überdies die Societät die Kosten übernahm.

Antonio Galli-Bibiena, der Neffe des Erbauers der Theater, hatte den Umbau in die Konzert- und Tanzsäle – die Redoutensäle – über, die bis zu 3.000 Menschen fassten. Im Fasching 1748 wurden sie mit einem prächtigen Maskenball eröffnet. Nach einer weiteren Umgestaltung ab 1752 wurde mit den großen Redouten bis zum Ende der Monarchie eine alljährliche Faschingstradition begründet. Außerdem wurden die Säle für Festlichkeiten des Hofes benutzt, wie die Hochzeitsfeierlichkeiten für Kaiser Joseph II. mit Isabella von Parma 1760.

Nach dem Tod Franz I. Stephans von Lothringen nahmen die Feste am Hof deutlich ab – Maria Theresia hatte die Freude daran verloren und Joseph II. zeigte keinerlei Begeisterung für die exklusiven Veranstaltungen. 1772 öffnete er die Redoutensäle für alle Stände, jede Person ohne Rangunterschied konnte teilnehmen. Hier wurde nicht nur getanzt, sondern auch gespielt, gegessen und getrunken.

Im Biedermeier gehörten die Redouten in der Hofburg zu den vornehmsten Faschingsvergnügungen in Wien. Während des Wiener Kongresses fanden hier zahlreiche Bälle statt. Die besten Orchester Wiens spielten zum Tanz auf, später dirigierten auch Johann Strauß Vater und Joseph Lanner. Daneben wurden Hoffeste, Konzerte und Theateraufführungen veranstaltet. Der Adel zog sich nach der Öffnung der Redoutensäle teilweise zu privaten Hausbällen in die eigenen Palais zurück. Parallel dazu entwickelte sich eine bürgerliche Tanzkultur in den Wirtshäusern der Vorstädte: Hier fanden Wäschermädel- und Fiakerbälle statt, bei denen – so wollen es zumindest Alt-Wiener Legenden – der Graf mit dem Fiaker-Milli tanzte, Arm und Reich sich im Dreivierteltakt wiegten. Zum jährlichen „Hofball“ in den Redoutensälen waren nur geladene Gäste zugelassen. Es war eines der wenigen Repräsentationsfeste, die Kaiser Franz Joseph gab.

Julia Teresa Friehs

Literatur

Hadamowsky, Franz: "Spectacle müssen sein." Maria Theresia und das Theater, in: Koschatzky, Walter (Hrsg.): Maria Theresia und ihre Zeit. Eine Darstellung der Epoche von 1740–1780 aus Anlass der 200. Wiederkehr des Todestages der Kaiserin, 2. Aufl. Salzburg/Wien 1980, 387–392; Kaisertum Österreich 1804–1814, Katalog zur gleichnamigen Ausstellung auf der Schallaburg, 27.4.–27.10.1996, Bad Vöslau 1996 (Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums NF 387), 348; Vocelka, Karl: Glanz und Untergang der höfischen Welt. Repräsentation, Reform und Reaktion im habsburgischen Vielvölkerstaat, Wien 2004 (Österreichische Geschichte 1699–1815), 185–194; Witzmann, Reingard: Wiener Walzer und Wiener Ballkultur. Von der Tanzekstase zum Walzertraum, in: Bürgersinn und Aufbegehren. Biedermeier und Vormärz in Wien 1815–1848, Katalog zur gleichnamigen Sonderausstellung des Wien Museums, 17.12.1987–12.6.1988 im Künstlerhaus Wien, Wien 1987, 130–137;

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