Ich bin es gewiß, niemand unter Ihnen überlässt sich dem unwürdigen Wahne, als wäre das Wesentliche des Adels nur in einem genau gehaltenen Stammregister zu suchen […]. Alle Menschen zählen, von ihrem Ursprunge an, eine gleichgrosse Anzahl Ahnen, da sie alle von einen und denselben Vater abstammen. Hat nun der grössere Haufen die Reihe seiner Abstammung aufzuzeichnen verabsäumet, oder hat ein Zufall seine Mühe unterbrochen und vereitelt; so lassen Sie im Gedanken eines von denen möglichen, unzählbaren Ungefähren entstehen, durch welche auch die Beweise ihrer Ankunft vernichtet werden können! […] Nun sind Sie mit dem übrigen menschlichen Geschlechte, das Sie aus Mangel solcher hinfälligen Dinge Pöbel nennen, gleich gemacht – Sehen Sie, auf welche Kleinigkeit der Vorzug, auf den Sie dennoch sich soviel wissen, hinausläuft […]. Daher sah man, wie sie [der Adel] zu einem ungemässigten Aufwande des Vermögens, so sie hatten, und nicht hatten, ihre Zuflucht nahmen […]. Sie suchten Beyhülfe ihrer Größe im Schimmer der Kleider, im Haufen des Gefolges und der Bedienung, […] in der Pracht der Paläste, in der Zahl der Zimmer, […] und, in dem schimpflichen Vorrechte, das Leben zwischen der Tafel, dem Schlafe und den Ergötzlichkeiten zu theilen. […] es ward Adel, unbehülflich zu seyn und ohne Beystand des Gesindes sich anzukleiden, nicht zu vermögen; es ward Adel, von der Schwelle seines Hauses zu dem angränzenden Hause gefahren zu werden, aber von seinem Schlafgemache in den Speissaal eine Tagreise zu verrichten zu haben; es ward Adel, vor der gewöhnlichen Nahrung zu ekeln, und nur für leckere Dinge einen Gaum zu behalten; es ward Adel, ein Müssiggänger zu seyn, der sich leidend verhält, und gleichsam für die Mastung geschaffen ist.