Leitbild : Bursen und Koderien – die Studentenheime des Mittelalters
THEMA

Wissen ist Macht
Bursen und Koderien – die Studentenheime des Mittelalters

Die Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden war ein Grundprinzip des akademischen Lebens an der Wiener Universität. Praktiziert wurde das auch in gemeinsamen Unterkünften.

Die Studenten der Wiener Universität lebten in Gemeinschaften zusammen, meist in sogenannten „Bursen“. „Bursa“ bezeichnete jenen Geldbetrag, den Studenten für ihre Unterbringung und Verpflegung aufbringen mussten, wöchentlich zwei oder drei Silbergroschen. Nicht begüterte Studenten lebten in Armenbursen, den sogenannten „Koderien“. Diese Plätze waren limitiert und sehr begehrt. Ohne jegliche finanzielle Unterstützung war ein studentischer Lebensunterhalt kaum zu bestreiten. Wer sich außerhalb der studentischen Gemeinschaft, etwa in einem Bürgerhaus, einmieten wollte, benötigte die Erlaubnis des Rektors. Die studentischen Unterbringungen wurden von universitärem Personal beaufsichtigt.

Der studentische Alltag folgte einem strikten Zeitplan: Nach einem Morgengebet und der Frühmesse begann die erste Vorlesung bereits um sechs Uhr morgens. Nach dem Unterricht und gemeinsamen Mahlzeiten sollten die Studenten in ihren Häusern lernen und debattieren. Wer gegen die Regeln verstieß, wurde bestraft. Insbesondere untersagt waren der Besuch von „loca suspecta“ wie öffentlichen Schänken oder das Mitbringen von Frauen in die Zimmer. Dennoch schweiften die Studenten nächtens durch die Stadt. Dabei prallten sie immer wieder mit den städtischen Organen zusammen. Sogar der Unterricht bedurfte strenger Vorschriften: Lachen, Pfeifen und Murren während der Vorlesungen wurden untersagt.

Der Universität wurde Autonomie zugesprochen, sie sollte von städtischen und kirchlichen Instanzen unabhängig sein. Die Universitätsangehörigen waren von Steuern und später sogar dem Wehrdienst befreit. Sie besaßen eine eigene Gerichtsbarkeit und waren der Rechtssprechung des Rektors und des Universitätskonsistoriums unterstellt. Die akademische Sondergerichtsbarkeit wurde erst 1783 abgeschafft. Bis dahin führte der Rektor Zepter und Schwert als Zeichen seiner Verwaltungs- und Gerichtshoheit. Der Pedell fungierte als Polizist und Kerkermeister – der Karzer wurde bis ins späte 18. Jahrhundert verwendet.

Julia Teresa Friehs

Literatur

Gall, Franz: Alma Mater Rudolphina 1365–1965. Die Wiener Universität und ihre Studenten, Wien 1965; Miethke, Jürgen: Studieren an mittelalterlichen Universitäten. Chancen und Risiken, Leiden 2004 (Education and Society in the Middle Ages and Renaissance 19), 175–205; Mühlberger, Kurt: Die Universität Wien. Kurze Blicke auf eine lange Geschichte, Wien 2. Auflage 2001; Mühlberger, Kurt/Maisel, Thomas: Rundgang durch die Geschichte der Universität Wien, Wien 2. Auflage 1999; Niederstätte, Alois: Das Jahrhundert der Mitte. An der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit, Wien 2004 (Österreichische Geschichte 1400–1522), 378–380; Niederstätter, Alois: Die Herrschaft Österreich. Fürst und Land im Spätmittelalter, Wien 2001 (Österreichische Geschichte 1278–1411), 362–367; Uiblein, Peter: Die Universität Wien im Mittelalter. Beiträge und Forschungen, Wien 1999 (Schriftenreihe des Universitätsarchivs Universität Wien 11), 30–115; http://www.univie.ac.at/archiv/rg/3.htm (12.2009);

Personen, Orte & Ereignisse

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