Erzherzogin Leopoldine, Tochter des Kaisers Franz II./I. und spätere Kaiserin von Brasilien, Ölgemälde, um 1815
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Erzherzogin Leopoldine, Tochter von Kaiser Franz II./I., wurde auf Bestreben von Fürst Metternich mit dem portugiesischen Kronprinzen Dom Pedro verheiratet. Da der portugiesische Hof vor der französischen Besatzung nach Brasilien geflohen war, reiste sie 1817 nach Rio de Janeiro zu ihrem Gatten, wo sie maßgeblichen Anteil an der Gründung eines eigenständigen Kaiserreichs Brasilien hatte. Die habsburgische Verbindung nach Brasilien führte dazu, dass österreichische Expeditionen nach Südamerika kamen.
Prägung
Leopoldine beschäftigte sich intensiv mit der Mineralogie, vergrub sich in Bücher, sie exerzierte. An den Festivitäten des Wiener Kongresses nahm sie pflichtgemäß, aber mit kritischem Geist, teil: „...beständig ist man im Hofkleid und bringt seine Täge mit Complimenten schneiden und Müssiggang zu.“
Durch die prägenden Ereignisse in Kindheit und Jugend (Tod Mutter, Stiefmutter, Heirat Marie Louise mit Napoleon) sammelte und kristallisierte Leopoldina Kräfte in sich, die sie später, in ihrem letzten Lebensdrittel, befähigten, Lebensphasen und Ereignisse zu bewältigen, die für einen anderen Menschen Zusammenbruch bedeutet hätten.
Wirken
Als wichtigste Tat ist ihre Unterschrift unter die brasilianische Unabhängigkeitserklärung ("Declaração de Independência") am 2. September 1822 zu nennen.
Vor allem hat sie mit ihrer Standhaftigkeit und ihrer Entscheidung, trotz großer Gefahr in Brasilien zu bleiben, die territoriale Einheit dieses riesigen Landes garantiert.
Sie hat ein Einwanderungsprogramm erarbeitet, sie hat Spitäler und die Akademie der schönen Künste gegründet.
Und sie hat durch ihre Vorbildwirkung in Brasilien, in den Herzen der Brasilianer eine unauslöschliche Spur gezogen: "Unterdrücke die Armen nicht, und ernstlich müssen wir uns bemühen, gut zu sein."
Für die Armen wurde Leopoldina zum Schutzengel, zur "nossa mãe" (unsere Mutter). Dona Leopoldina, das war die Prinzessin aus Europa, die jeder ansprechen konnte, die für jeden ein tröstendes Wort hatte und die sehr oft in die Tasche ihrer Tunika griff um mit ein paar Münzen die größte Not zu lindern.
Rezeption
Vorbild für die brasilianischen Mütter:
Im Jahr 1972 wurden auf Antrag des Kongresses alle Schulen und Erziehungsinstitutionen Brasiliens angewiesen, Dona Leopoldina als "Vorbild für die brasilianischen Mütter" darzustellen.
Komitee für die Wiederrichtung eines freien Österreich:
In Brasilien wurde nicht vergessen, was Dona Leopoldina, "nossa mãe", für die Unabhängigkeit des Landes getan hat. In Anerkennung und Dankbarkeit arbeitete in den Jahren 1943 bis 1945 in Rio de Janeiro ein Komitee für die Wiederrichtung eines freien Österreich.
Und, ganz wesentlich und kaum bekannt, im Dezember 1952, als Österreich von den vier Besatzungsmächten besetzt war, und die Verhandlungen über die Neutralität Österreichs kaum vom Fleck kamen, brachte Brasilien in der UN-Generalversammlung einen Resolutionsentwurf zur Wiederherstellung der vollen Souveränität der Republik Österreich ein.
Damit wollte das offizielle Brasilien, in Gedenken und Anerkennung der Bemühungen von Dona Leopoldina um die Unabhängigkeit Brasiliens, Österreich etwas zurückgeben, Österreich unterstützen, als es in arger, politischer Bedrängnis war.
Kinder von Leopoldina
Maria da Glória (später Königin Maria II. von Portugal), 4.4. 1819 - 15.11.1853
Fehlgeburt am 22. 12. 1819
Fehlgeburt am 9. 3. 1820
João Carlos, 6. 3. 1821 - 4. 2. 1822
Januária, 11. 3. 1822 - 1901
Paula Mariana, 17. 2. 1823 - 15. 1. 1833
Francisca Carolina, 2. 8. 1824 -1898
Pedro II. (später Kaiser von Brasilien), 2. 12. 1825 - 5. 12. 1891
Fehlgeburt am 2. 12. 1826
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