Joseph II. Habsburg-Lothringen


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Joseph II. Habsburg-Lothringen
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Leben

Als erster Sohn von Franz I. Stephan von Lothringen und Maria Theresia geboren, wurde Joseph von klein auf zum Thronfolger erzogen. Der junge Erzherzog hatte ein enges Verhältnis zur Mutter, vertrat jedoch bald ganz andere politische Ansichten als sie. Bereits als Zwanzigjähriger verfasste er eine Denkschrift, deren radikale Ansätze die konservative Kaiserin erschreckten. Seine Energie und sein Tatendrang wurden von ihr wie von anderen Zeitgenossen als gefährliche Impulsivität verstanden. Eines seiner Vorbilder war der preußische König Friedrich II., der Erzfeind seiner Mutter.

Für einen Monarchen seiner Zeit war Joseph weit gereist, er lernte nicht nur die habsburgischen Länder kennen, sondern auch Frankreich, Holland, die Schweiz, Italien und Russland.

Ein traumatisches Erlebnis im Leben Josephs war der Tod seiner geliebten ersten Ehefrau, Isabella von Parma, im Jahr 1763. Auch die zwei Töchter aus dieser Verbindung verstarben früh. Seine zweite Ehe mit Maria Josepha von Bayern war unglücklich und kinderlos.

Joseph verstarb nach langen Jahren der Krankheit an der Tuberkulose.

 

Wirken

Erst nach Tod Maria Theresias 1780 wurde Joseph zum Alleinherrscher. In den verbleibenden zehn Lebensjahren setzte er mit enormer Energie ein umfangreiches Reformprogramm um, das ganz im Zeichen des Fortschrittes und der "Nützlichkeit" stand. Er definierte sich als Herrscher im Geist der Aufklärung, er sah sich als oberster Diener des Staates. Sein Staatsverständnis zielte auf den zentralisierten Gesamtstaat ab, dem Wohl der Untertanen verpflichtet. Die Leibeigenschaft der Bauern wurde aufgehoben, Klöster geschlossen, ProtestantInnen, Juden und Jüdinnen und Orthodoxen eine freiere Ausübung ihres Glaubens gestattet. Mit dem Josephinischen Gesetzbuch legte er die Grundlagen einer allgemeinen Gesetzesordnung, Wissenschaft und Künste wurden gefördert, das Steuerrecht reformiert und eine umfassende Gesundheitspolitik initiiert. Viele dieser Maßnahmen waren unter seinen Nachfolgern jedoch nicht von langer Dauer.

Seine militärischen Unternehmungen gegen Preußen 1778/79 und das Osmanische Reich 1787 blieben weitgehend erfolglos.

 

Rezeption

Die Wahrnehmung Josephs II. war immer zwiespältig und von seinem Reformwerk bestimmt. Schon zu Lebzeiten bekämpften ihn die weltlichen und kirchlichen Eliten heftig. Die Vertreter der Aufklärung hingegen sahen in ihm die Hoffnung auf eine bessere Gesellschaft. Besonders seine Religionspolitik – ein klarer Affront gegen die katholische Kirche – entzweite die Gemüter. Sahen die einen darin einen hassenswerten Angriff auf die gottgewollte Ordnung, so erkannten andere darin eine Abschaffung untragbarer Privilegien: "Nur Joseph der Aberglaubenzerstöhrer hatte Muth genug das Ungeheuer hinter seinen Verschanzungen anzugreifen; und am Fuße des Altars, wo es thronte, zu erlegen." (anonymer Autor)

Er selbst handelte aus einem fest verwurzelten Sendungsbewusstsein. Allerdings zeigt sich im Versuch, alle Bereiche des Lebens zu kontrollieren und zu rationalisieren, unleugbar ein despotischer Zug.

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