Leben
"Des hätt' ma a zsammbracht" ("Das hätten wir auch zusammengebracht") – so soll Ferdinand I. nach der folgenreichen Niederlage seines Nachfolgers Franz Joseph in der Schlacht von Königgrätz 1866 gesagt haben. Dabei hätte wohl ohnehin kaum jemand erwartet, dass Ferdinand überhaupt zu eigenständigen Leistungen fähig sein sollte: Zeit seiner Regentschaft stand der unter Epilepsie leidende Ferdinand im Schatten seines Staatskanzlers Fürst Metternich. 1848 musste er unter dem Druck der revolutionären Ereignisse zugunsten seines Neffen Franz Joseph abdanken.
Wirken
Während Ferdinand I. politisch kein aktiv gestaltender Herrscher war, so engagierte er sich um so stärker im Bereich der Wissenschaft. So geht die Gründung der Akademie der Wissenschaften auf ihn zurück und auch die Errichtung der Akademie in Pest wurde von ihm finanziell unterstützt. Wichtige Initiativen setzte er außerdem im Eisenbahnausbau und im Finanzsektor.
Auch wirtschaftlich war er erfolgreich. Nach seiner Abdankung verwaltete er selbst mit großem Geschick seine ererbten Güter, deren Erträge und Wert er beträchtlich steigerte. Nach seinem Tod 1857 fiel dieses Vermögen an seinen Neffen Franz Joseph, der damit zu einem reichen Mann wurde.
Rezeption
Bis heute hat sich das Bild vom "gütigen Kaiser Ferdinand" erhalten. Zum Teil mag das auf seine Führungsschwäche zurückzuführen sein, die neben dem schillernden Staatskanzler Metternich umso offensichtlicher war. Andererseits hatte er einen starken philanthropischen Zug. So verwendete er die großen Summen, die er als Ehrengeschenke anlässlich der Krönung zum König von Ungarn 1830 und König von Böhmen 1835 erhalten hatte, für wohltätige Zwecke und öffentliche Investitionen in den jeweiligen Reichen.
Von Ferdinand sind zahlreiche – meist historisch nicht gesicherte – Sprüche überliefert, die seine Weltfremdheit oder Geistesschwäche unterstreichen. Am bekanntesten ist die Frage "Ja, dürfen's denn des?" angesichts der aufgebrachten Massen vor der Hofburg während der Märzrevolution.